Die Stadt Bochum plant einen “Natur- und Klimapark Springorum” – eine gute Idee!

Es ist in der Tat ein richtiger und wichtiger Schritt, den die Stadt hier gehen will!

Oder ist es nur Propaganda?

Mit der Beschlussvorlage der Verwaltung Nr. 20151323 sollen der Ausschuss für Planung und Grundstücke am 18.08.2015, die Bezirksvertretung Bochum-Südwest am 01.09.2015 und der Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung am 17.09.2015 die Entwicklung eines „Konzepts zur Entwicklung eines Natur- und Klimaparks für das ehemalige Springorumgelände in Bochum Weitmar“ beschließen, zu dem auch das Gebiet des Bebauungsplans Nr. 946 um den ehemaligen Bahnhof Weitmar gehört.

Klimapark

Geplanter Bereich des Natur- und Klimaparks

In der o.g. Beschlussvorlage ist zu Beginn eine gute Idee formuliert:Nach detaillierter Bestandsanalyse seitens des Umwelt- und Grünflächenamtes hat dieser Raum eine herausragende Bedeutung und ein großes Potential für Biotopverbund, Natur und Landschaft einschließlich der Erholungsfunktion sowie das Stadtklima. Der ortskundige Leser fragt sich freudig, ob nun zusätzlich zu den planungsrechtlich bekannten Freiraum- und Biotopverbundflächen auch noch die großen Brachflächen mit ihrer „Natur auf Zeit“ im Sinne des Landesumweltministers NRW geschützt werden sollen. Nach anfänglicher Begeisterung folgt beim Lesen des nächsten Absatzes aber leider Ernüchterung, denn dort steht:

Dabei ist es vorrangiges Ziel, die nach Umsetzung aller derzeit laufenden Planungen verbleibenden Freiflächen für die drei genannten Funktionen:

– Biotopverbund

– Natur und Landschaft, Erholung

– Klima

dauerhaft zu erhalten und zu sichern sowie hinsichtlich dieser Funktionen und der vorhandenen Potentiale zu entwickeln und zu stärken.

Unter den „derzeit laufenden Planungen“ versteht der politisch interessierte Bürger Weitmars vor allem den Bebauungsplan Nr. 946 Ehemaliger Bahnhof Weitmar, dessen ca. 36.000 m² große Fläche im südlichen Teil des vorgeschlagenen Natur- und Klimaparks Springorum liegt. Ein nördliches Drittel (Nordwald) dieses Bebauungsplangebiets liegt in der Biotopverbundfläche VB 4509-0037 und ist planungsrechtlich vor Bebauung geschützt als Freiraum gemäß Masterplan Freiraum der Stadt Bochum. Die südlichen zwei Drittel des Bebauungsplangebiets entsprechen ungefähr der Fläche BO14 „Bahnhof Weitmar“ des RFNP aus dem Jahre 2010.

Zu den obigen „drei genannten Funktionen“ (Biotopverbund, Natur und Landschaft / Erholung, Klima) der Beschlussvorlage der Verwaltung Nr. 20151323 ist für das B-Plangebiet Nr. 946 u.a. Folgendes festzuhalten :

  • Im Steckbrief BO14 werden die Umweltauswirkungen bezüglich der Tiere, Pflanzen, der biologischen Vielfalt, der Landschaft und des Schutzgutes Wasser durch eine Bebauung als erheblich eingestuft.
  • Die aktuelle Planung am Bahnhof Weitmar widersetzt sich hinsichtlich der Schonung von Grünflächen, Klima und Umweltaspekten der regionalen und lokalen Umweltplanung sowie dem BauGB und dem BBodSchG.
  • Die Klimaanalyse der Stadt Bochum stellt für den Raum des Bebauungsplans sowohl Grünvernetzung als auch die Funktion als Ausgleichsraum dar. Die geplante Ausweisung der Flächen als Baugebiet widerspricht also den Ausweisungen als Grünvernetzung und Ausgleichsraum.
  • Am Bahnhof Weitmar soll eine Neuverdichtung stattfinden, die dem Landesentwicklungsplan NRW widerspricht.
  • Der Nordwald ist gemäß StrUP dem stadtökologischen Ausgleichsgebiet zuzuordnen, wozu mindestens Erhalt von Quantität und Qualität schutzwürdiger Biotope; generell null Prozent Netto-Neuversiegelung im Gesamtraum, Erhalt unzerschnittener Räume und schutzwürdiger Böden, Minderung von Luft- und Lärmbelastungen durch hohes Verkehrsaufkommen … zu entnehmen ist.
  • Selbst der im Auftrag des Investors (!) erstellte Umweltbericht stellt für die geplante Bebauung erhebliche Eingriffe und eine deutliche Schädigung für Klima, Natur und Umwelt fest, denn mit ein paar begrünten Dächern kann die massiv negative Ökobilanz des B-Plans nicht ausgeglichen werden.

Trotzdem hat die Verwaltung der Stadt Bochum den Bebauungsplan Nr. 946 Ehemaliger Bahnhof Weitmar mit aller Macht bis zur Auslegung durch die Gremien gepresst. Wie also ist die Beschlussvorlage der Verwaltung Nr. 20151323 und insbesondere ihr erklärtes Ziel, die „nach Umsetzung aller derzeit laufenden Planungen verbleibenden Freiflächen … dauerhaft zu erhalten und zu sichern sowie hinsichtlich dieser Funktionen und der vorhandenen Potentiale zu entwickeln und zu stärken“ zu verstehen?

Es stellen sich folgende Fragen:

  • Welchen verwaltungsrechtlichen Status soll ein „Natur- und Klimapark Springorum“ in Bochum haben, wo die Verwaltung dieser Stadt bei ihren Planungen nachweislich weder ihre eigenen rechtsverbindlichen Masterpläne noch sonstige planungsrechtliche Vorgaben beachtet?
  • Warum soll die Biotopverbundfläche VB 4509-0037 nach dem Bau der Springorumallee – bei dem diese Biotopverbundfläche für immer vollständig zerschnitten wurde – erst noch weiter verkleinert werden (u.a. durch mehrere Baugebiete des Wohnbaulandkonzepts wie am ehemaligen Bhf. Weitmar), bevor die ohnehin längst geschützten Flächen einen weiteren „Schutzstatus“ erhalten, an den die Stadt Bochum sich nicht halten wird, sobald Interessenten für eine andere Nutzung auftauchen?
  • Handelt es sich nur um eine weitere städtische Förderung des Investors, der dann ein „Neues Wohngebiet im Natur- und Klimapark Springorum“ noch teurer vermarkten kann?
  • Oder ist der „Natur- und Klimapark Springorum“ am Ende nur plumpe Propaganda der Stadt Bochum, deren Verwaltung sehr wohl weiß, wie miserabel Bochum hinsichtlich Natur und Klima bzw. Grün-, Wald- und Biotopflächen etc. im Vergleich mit anderen Ruhrgebiets-Kommunen abschneidet?

Aus unserer Sicht muss der Nebensatz „nach Umsetzung aller derzeit laufenden Planungen“ vor der Beschlussfassung gestrichen werden. Nur wenn es heißt:

Dabei ist es vorrangiges Ziel, die aktuell verbliebenen Freiflächen für die drei genannten Funktionen: – Biotopverbund  –  Natur und Landschaft, Erholung –  3. Klima    dauerhaft zu erhalten und zu sichern hat Bochums Südwesten einen Vorteil durch den „Natur- und Klimapark Springorum“.

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