Geschichte des Bahnhofs

Auf dem Bahnhofsgelände stehen noch das Gebäude des Bahnhofes und das Stellwerkhäuschen – letzteres wird von André Feller bewohnt und nach und nach zu einem gemütlichen Wohnhaus ausgebaut. Von ihm stammen die folgenden Zeilen.

Kreuzbahnhof aus dem 19. Jahrhundert

Wieder einmal stand ich draußen und verbrachte meine Zeit damit meine Fugen im Stellwerkhaus Weitmar mit neuem Mörtel zu füllen. Wie mittlerweile Standard sprach mich ein älterer Herr an:

Entschuldigen Sie, ich hätte da mal eine Frage… Wollen Sie hier wohnen?“

Ich erklärte ihm, dass ich das alte Schrankenwärterhaus nun zu meinem Wohnhaus umbaue. Was er mir daraufhin berichtete hat mich schwer beeindruckt.

„Der kleine, unscheinbare Bahnhof in der kleinen Stichstraße an der Holtbrügge in Bochum ist der letzte Kreuzbahnhof. Er wurde vor der Jahrhundertwende gebaut und auch das Stellwerkhaus entstand in dieser Zeit.“

„Was ist ein Kreuzbahnhof?“

„Ende des 19. Jahrhundert gab es zwei konkurrierende Bahnunternehmen mit unterschiedlichem Schienenabstand, und darum gab es Kreuzbahnhöfe zum Umsteigen und Umladen. Ich habe zwei original Trassenpläne von 1914 und 1916, auf denen sowohl der Kreuzbahnhof als auch das Stellwerk Weitmar verzeichnet sind.“

„Würden sie mir die bitte kopieren und zusenden?“

„Gerne, ich habe auch noch ein Foto aus den 80ern.“

Ich bedankte mich herzlichst und erhielt nach einigen Tagen die Unterlagen. Da ich mein Stellwerkhaus so originalgetreu wie möglich zu erhalten versuche, würde ich mich freuen wenn der alte Kreuzbahnhof ebenfalls eine neue Wiederbelebung erfahren würde.

Viele Bürger sprachen mich auf den Kreuzbahnhof an. Die Nutzungsvorschläge gingen von Künstlerwerkstatt über Café und Kleingewerbe bis hin zu Kindergarten.

Auch ein Naturkunde-Museum mit Führungen durch die angrenzenden Biotope, von einer Fledermaus Beobachtungsstation bis hin zu einem Lehrpfad für Moose und Flechten, über heimische Orchideen hin zu sehr alten, natürlich gewachsenen Baumbeständen könnte ich mir vorstellen.

Die Realität ist noch da draußen, schützen wir sie und übergeben sie unversehrt unseren Kindern, denn sie ist unser größtes und kostbarstes Vermächtnis an die nächste Generation.

2 Antworten auf Geschichte des Bahnhofs

  1. Zwei Anmerkungen von mir zur Geschichte des Weitmarer Bahnhofs:

    Tatsächlich trafen im 19. Jahrhundert zwei unterschiedliche Eisenbahngesellschaften im Bahnhof Weitmar zusammen, die allerdings zwei völlig unterschiedliche Ziele verfolgten. Die war zum einen die „Bergisch-Märkische Eisenbahn“und zum anderen die „Rheinische Eisenbahn“, wobei man die Bergisch-Märkische durchaus als Platzhirschen bezeichnen darf. Beide betrieben Eisenbahnstrecken im Ruhrgebiet mit gleicher Spurweite und gleichem Lichtraumprofile; die Züge der einen Gesellschaft konnten auf den den Strecken der anderen durchaus fahren.

    Für die Bergisch-Märkische Bahn war Weitmar eigentlich nur eine Unterwegsstation auf ihrer Strecke von Dahlhausen nach Langendreer. Man wollte schlicht und einfach die beiden eigenen Güterbahnhöfe miteinander verbinden und unterwegs möglichst vielen Zechen die Möglichkeit bieten, ihre Steinkohlen verladen zu können. Personenverkehr gab es planmäßig nicht; der Bahnhof Dahlhausen wurde sogar umfahren.

    Anders lagen die Verhältnisse bei der Rheinischen Bahn. Sie betrieb den Abschnitt von Bochum-Nord bis Weitmar. Nach ihren Planungen sollte die Strecke Richtung Süden nach Hattingen und Wuppertal weiter gebaut werden, wozu es aber wegen der Verstaatlichung aller Privatbahnen in Deutschland um 1890 herum nicht mehr kam. Das für den Bau notwendige Gelände hatte die Rheinische Bahn bereits enteignen lassen; auf der abgesteckten Trasse wurde nach dem zweiten Weltkrieg die Wuppertaler Straße in Linden verlegt.

  2. andrea surau sagt:

    Dieses Gelände ist einmalig und darf auf keinen Fall verschwinden.
    Auch die Reste des ehemaligen Bahnhofes sollten gesichert werden. Bochum ist ja leider nicht sehr reich mit historischen Gebäuden gesegnet , da sollte man jedes Einzelne achten und für die Nachwelt erhalten .
    Das läßt sich dann evtl. auch touristisch nutzen .

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