Ein Jahr nach Vernichtung des Nord- und Südwaldes ist noch kein einziger Baum neu gepflanzt worden!

Auf die Anfrage eines Bürgers im Rahmen der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans Nr. 946 (Ehem. Bahnhof Weitmar), welche Fristen dem Investor zur Umsetzung der Kompensationsmaßnahmen gesetzt würden, antwortete die Verwaltung:
„Für die Kompensation des Nordwaldes ist eine Ausgleichsfläche im Bezirk Südwest in Bochum-Linden vorgesehen. Das Regionalforstamt Ruhrgebiet fordert die Aufforstung der Kompensationsfläche innerhalb eines Jahres nach Rodung. Die weiteren Maßnahmen außerhalb des Plangebietes im Umfeld des Eingriffsbereiches sind ebenfalls innerhalb eines Jahres umzusetzen.“ (Anlage 1 zur Vorlage Nr. 20152192 – Abwägung zu den eingegangenen Stellungnahmen, S.64)
Die Rodungen erfolgten Anfang November 2015 (der WDR berichtete – Lokalzeit Ruhr vom 9.11.2015). Ein Jahr später ist festzustellen:
Kein einziger Baum wurde bisher gepflanzt, weder auf der Ausgleichsfläche an der Ettersheide in Bochum-Linden, noch auf den vorgesehenen Kompensationsflächen im Umfeld und auch nicht auf der Fläche, die vom Investor „versehentlich“ gerodet wurde.
In letzterem Fall hatte das Grünflächenamt bereits vor Monaten zugesagt, sich bezüglich dieses Sachverhaltes kümmern zu wollen. Die Fläche ist mit Absperrband gekennzeichnet worden, eine Wiederaufforstung ist unterblieben.
Wir fordern das Grünflächenamt und das Regionalforstamt Ruhrgebiet auf tätig zu werden!

Haben die Bauwilligen Skrupel ein Grundstück zu erwerben – dort, wo eigentlich ein Wald stehen müsste?

Der "revitalisierte" Nordwald ein Jahr nach Fällung

Der „revitalisierte“ Nordwald ein Jahr nach Fällung

Ein Jahr nach Vertriebsstart verläuft der Verkauf der Nordwaldgrundstücke eher schleppend. Von den 13 Grundstücken für Einfamilienhäuser sind laut Homepage des Investors erst drei verkauft. Jetzt wurde das größte dieser Grundstücke (direkt neben dem Getränkegroßhandel liegend) geteilt und es ist geplant, dort ein Doppelhaus  zu errichten. Auch auf zwei weiteren Einzelhausgrundstücken, die im Nachmittagsschlagschatten der viergeschossigen Mehrfamilienhäuser stehen würden, sollen jetzt Doppelhaushälften entstehen.

Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem eine Gruppe der Bürgernitiative Bahnhof Weitmar nahestehenden Personen ein Normenkontrollverfahren zur formalrechtlichen Überprüfung des B-Planes 946 eingeleitet hat. Dies bedeutet zwar nicht, dass ein Baustopp verhängt wurde, aber der Investor arbeitet jetzt mit einem „Damoklesschwert“ über seinem Haupt weiter. Es könnte nämlich sein, dass das Verwaltungsgericht den Bebauungsplan für rechtsunwirksam erklärt.

 

…..und dies geschah vor einem Jahr:

Der Rat hat dem Investor „grünes Licht“ gegeben, obwohl zahlreiche Gründe dagegen sprachen und weiterhin auch sprechen. Dass die CDU von Beginn an die große Bebauungslösung präferierte war klar. SPD und Grüne haben sich im Zuge des B-Planverfahrens absolut unglaubwürdig gemacht!

Den Masterplan im Fall EDEKA-Neubau an der Karl-Friedrich Straße einhalten? Unbedingt! Den Masterplan im Fall B-Plan 946 einhalten? Wozu denn das? Der Nordwald, der zum Freiraum (und zudem zu einer Biotop-Verbundfläche) gehört, kann ruhig gefällt, der schützenswerte Boden als Füllmaterial verwendet und dies so gewonnene Gelände mit 12 Einfamilienhäusern „locker“ bebaut werden!

Nur das eigentliche  Bahnhofsgelände mit ca. 50 Wohneinheiten bebauen? Zu wenig!

Eine zweite reguläre Zufahrt errichten, die die Verkehrs-/Notzufahrtsproblematik erheblich entschärfen würde? Nicht nötig, die hier Hinziehenden werden schon die hinreichende Geduld mitbringen, wenn sie durch die Nadelöhrzufahrt hinein- und herausfahren!

Eine Kinderspielfläche direkt neben die Lärm emittierenden Betriebe platzieren? Na und? Kinder sind doch genauso laut wie eine KFZ-Werkstatt (siehe Abwägung der Verwaltung S.58). Eine 2m hohe Schallschutzwand reicht aus, wenn nebenan die Flex bei offener Werkstatttür im Einsatz ist!

Es wird gegen die Strategische Umweltplanung (StrUP) verstoßen? Nein, nein! Das wurde nur im Umweltbericht für die öffentliche Auslegung so gesehen, jetzt in der Version zur Beschlussfassung war alles o.k.! Man muss nur halt die Grünflächen der Umgebung mit einrechnen und schon kommt man zu dem geforderten 65%igen Grünflächenanteil!

Die Frischluftschneise für die Bochumer Innenstadt wird einer wichtigen Waldfläche beraubt? Ein paar Dächer werden begrünt – das passt dann schon!

Der Abtransport der kontaminierten Böden und die Anlieferung von Verfüllmaterial, sowie der Abriss des asbestbelasteten Bahnhofsgebäudes wird in einem nachgelagerten Verfahren (und somit der öffentlichen Kontrolle entzogen) geregelt? Die Verwaltung wird schon alles richtig machen und aufpassen!

undsoweiterundsofort…..

Der Beschluss wurde gefasst

  • obwohl die Kompensationsfläche an der Ettersheide von der Unteren Forstbehörde noch gar nicht auf Tauglichkeit untersucht und mithin auch noch nicht genehmigt wurde (Stand 23.9.15),
  • obwohl die Stellungnahme der Feuerwehr noch gar nicht berücksichtigt wurde (eher im Gegenteil, denn das Kapitel „Notzufahrt“ wurde aus der Begründung entfernt!)
  • obwohl überhaupt nicht geklärt ist, wer die Kosten für die notwendigen Baumaßnahmen außerhalb des B-Plan Gebietes übernimmt (Notzufahrtanbindung, Entwässerungskanal)
  • obwohl das abschließende Artenschutzgutachten immer noch nicht vorliegt (im November soll noch untersucht werden, ob die Stützmauer ein Winterquartier für die Fledermäuse ist)

Die ganz große Koalition aus SPD, CDU und „Grünen“ hat alle unsere Argumente zur Kenntnis genommen (und ihnen möglicherweise insgeheim zugestimmt). Aber gegen ein Argument hatten wir alle keine Chance: den 10 Sekunden-Hingucker für jeden Ballon- und Zeppelinfahrer – die Ellipse!

Quelle: Kurzbegründung zum B-Plan vom 6.Juni 2014, S.15

Quelle: Kurzbegründung zum B-Plan vom 6.Juni 2014, S.15

 

 

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