Lokaltermin mit der WAZ am 7.1.2014

Am Dienstag, dem 7.1.2014, fand ein Ortstermin mit der WAZ zum Thema “Erneute Verlegung des Springorum Radweges” statt. Hier nun die Stellungnahme der Bürgerinitiative, die der WAZ übergeben wurde:

Planungschaos, Kostensteigerung und Qualitätsminderung des Springorum-Radwegs am Bahnhof Weitmar

Planungschaos und Kostensteigerung

1. Die offizielle Planung des Radwegs im Bereich des Bahnhofs Weitmar (s. Fax der Stadt Bochum vom 23.01.2006, Baustellenschild Springorum-Radweg, Broschüre Stadt Bochum „Perspektive Bochum 2015“ und Planentwurf Bebauungsplan 946) sieht einen geraden Verlauf des Springorum-Radwegs auf der ehemaligen Bahnstrecke vor inkl. einer preisgünstigen Verkehrssicherungsmaßnahme zum Schutz der Radfahrer und Anwohner bei Überquerung der Straße „ An der Holtbrügge“ (sogenannte „Berliner Kissen“, s. Fax der Stadt Bochum vom 23.01.2006). Diese Planung und auch der Springorum-Radweg überhaupt wird sowohl von Radfahrern und Anwohnern als auch von der Bürgerinitiative Bahnhof Weitmar ausdrücklich befürwortet!

2. Eine erste Verlegung der Trasse im Bereich des Bahnhofs Weitmar erfolgte durch den RVR mit folgender Begründung: Die Stadt Bochum teilte dem RVR mit, das Gelände des Bahnhofs Weitmar sei an einen Investor verkauft, der keinen Radweg im zukünftigen Wohngebiet (s. B-Plan 946) wünscht (Anmerkung: Das Gelände ist noch nicht an den Investor verkauft!). Die Stadt Bochum schlug dem RVR eine Umgehungstrasse auf städtischem Grund (Deponie und Springorum-Gelände) vor, die nördlich der ehemaligen Bahntrasse unter der Brücke „An der Holtbrügge“ verlaufen sollte. Bis heute gibt es trotz Anfrage keine Aussage der Stadt Bochum dazu, ob der Verlegung eine ordnungsgemäße Planung zugrunde liegt. Als Hauptargument für die Planung wurde seitens der Stadt Bochum aber eine nachvollziehbare Gefährdungsreduzierung für die Radfahrer durch die Straßenunterquerung genannt. Die so begründete Verlegung wurde in einem Positionspapier der Stadt Bochum an die Fraktionen im Stadtrat vom 21.11.2013 als endgültige Planung vorgestellt.

3. Tatsächlich befand sich aber bereits am 21.11.2013 eine wiederum andere Trassenführung im Bau. Diese kreuzt nun weitere 50 m nördlich die Straße „An der Holtbrügge“ ohne Unterführung, womit die Begründung für die erste Verlegung (Sicherheit der Radfahrer) hinfällig ist. Auf Nachfrage der Ruhr-Nachrichten teilte die Stadt Bochum (Stadtbaurat Dr. Kratzsch) im Dezember 2013 mit, diese Lösung sei nur temporär und später werde im Rahmen der großen Baumaßnahme (B-Plan 946) eine Tunnellösung angestrebt. Wahrscheinlicher ist doch wohl eher eine spätere Beseitigung der baufälligen Brücke „An der Holtbrügge“ aus Kostengründen.

Das Planungschaos um die Verlegung des Springorum-Radwegs zeigt, dass die Stadt Bochum Planungswünschen eines Investors nachkommt, der selbst bisher nichts weiter als vage Versprechungen geliefert hat. Es stellt sich die Frage, welche Verträge überhaupt zwischen der Stadt Bochum und dem Investor existieren. Fakt ist jedenfalls, dass die Stadt Bochum hier – unabhängig davon, ob es sich bei der Verlegung tatsächlich um eine temporäre oder um die endgültige Lösung handelt – auf Wunsch eines potenziellen Investors Kosten für den Steuerzahler verursacht, die der Investor tragen müsste.

 

Qualitätsminderung

Die oben kritisierte Verlegung des Springorum-Radwegs hat folgende qualitative Verschlechterungen des Radwegs und der Umgebung zur Folge:

1. Statt des ursprünglich horizontalen Radwegverlaufs mussten auf der neuen Trasse Steigungen von mehr als 6% errichtet werden, die für ältere Radfahrer und Rollstuhlfahrer nachteilig sind.

2. Statt einer typischen Geradeausfahrt auf der alten Bahntrasse mit verkehrsberuhigter Straßenquerung „An der Holtbrügge“ wurde eine kurvenreiche Wegführung über die Deponie („Holtbrüggen-Park“) errichtet. Anschließend erfolgt eine für die Radfahrer gefährliche Querung der Straße „An der Holtbrügge“ in einem Bereich, auf dem Kraftfahrzeuge aktuell meist mit überhöhter Geschwindigkeit fahren.

3. Die neue Trasse führt anschließend durch eine wilde Deponie von Straßenaufbruch (Asphalt) und Bauschutt auf dem Springorum-Gelände statt durch den Grünstreifen des ehemaligen Bahnhofs Weitmar.

4. Sollte das zur Biotopverbundfläche BK-4509-0037 gehörende städtische Waldgrundstück am Nordrand des B-Plan-Gebiets wie von der Stadt Bochum geplant an den Investor verschenkt und somit abgeholzt werden so führt der verlegte Springorum-Radweg zukünftig ca. 250 m an einem kahlen Neubaugebiet entlang statt am städtischen Mischwald mit altem Eichenbestand.

5. Die umgelegte Radwegtrasse verläuft durch die Biotopverbundfläche BK-4509-0037. Der jüngste Radwegverlauf zeigt, dass zukünftig vermutlich keine Unterquerung der Straße „An der Holtbrügge“ mehr möglich sein wird (s.o.). Auch in der Biotopverbundfläche BK-4509-0037 lebende Tiere können somit zukünftig die Straße „An der Holtbrügge“ im südlichen Bereich der Biotopverbundfläche nicht mehr gefahrlos queren.

Insgesamt zeigen die obigen Ausführungen, dass der Stadt Bochum die Interessen potenzieller Investoren wichtiger sind als die Interessen und die Sicherheit von Radfahrern und Anwohnern sowie die Belange der Natur. Schade!

Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.